Sport; © Maridav/adobestock
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Homöopathie beim Schmerz der Fußsohle

Dr. med. M. Berger - Januar 2021

Nach der Beschreibung der Entstehung einer Plantarfasziitis und der allgemeinen Behandlungsmaßnahmen im vorhergehenden Beitrag geht es nun um die homöopathische Behandlung. Erfahrungsgemäß ist sie häufig erfolgreich. Im Mittelpunkt stehen zwei Arzneien.


Schmerzen der Fußsohle sind meist bedingt durch Veränderungen der sogenannten Plantarfaszie (PF), eine breite Sehnenplatte (lat: Faszie), die sich an der Fußsohle (lat: Planta pedis) von der Ferse bis hin zu den Zehen erstreckt (siehe Beitrag: Schmerz der Fußsohle – Entstehung und Behandlung). Nach unserem derzeitigen Stand des Wissens entstehen die Beschwerden durch eine mit erhöhter Anspannung der PF verbundene Fehlfunktion, die zur Überlastung und zu wiederholten kleinsten Verletzungen (Mikrotraumen) führt. Reizung und Entzündung, einhergehend mit Schmerzen der Fußsohle, sind die Folge.


Rhus toxicodendron

Die Arznei hat eine deutliche Wirkung auf die Haut (z.B. Lippenherpes oder Windpocken), auf die Muskulatur, auf Sehnen und Sehnenscheiden sowie auf Bänder und Faszien. Gut bekannt ist die Auslösung von Beschwerden durch Überanstrengung (z.B. Hexenschuss durch Überheben; Sehnenscheidenentzündungen durch oft wiederholte Bewegungen, z.B. der Computermaus).


Leitend für den Einsatz von Rhus toxicodendron sind die Umstände, unter denen die Beschwerden der Fußsohle auftreten (Modalitäten):


Schmerzen sind zu Beginn der Bewegung (Gehen), oft am Morgen, bei den ersten Schritten besonders ausgeprägt. Fußsohle und Fuß fühlen sich zunächst steif und unbeweglich an. Zunehmende Bewegung tut gut – man „läuft sich ein“. Ab einem bestimmten Punkt ist es dann zu viel und die Schmerzen beginnen oder verstärken sich erneut. Dann tut Ruhe gut – anschließend, bei den ersten Schritten, kommt es erneut zum Anlaufschmerz. Auch in einer längeren Ruhephase kann es zum Auftreten von Schmerzen kommen, oft verbunden mit einer gewissen Unruhe und dem Bedürfnis nach erneuter Bewegung (kein Wunder, dass die Arznei eine unserer hervorragenden Arzneimittel bei Unruhe von Beinen und Füßen ist, dem Restless-Legs-Syndrom).


Charakteristisch ist ebenso die Verbesserung durch warme und eine Verschlechterung durch kalte Anwendungen. Auch kaltes Wetter, insbesondere feuchte Kälte oder Regenwetter, können die Beschwerden verstärken. Mitunter haben Betroffene das Gefühl, die Fußsohle oder Strukturen im Fuß seien irgendwie zu kurz. Reiben und Kneten der Fußsohle können die Beschwerden lindern.


Rhus toxicodendron ist wohl die am meisten benutzte Arznei bei Beschwerden der Fußsohle durch eine PF. Unter Umständen sollte die Arznei über 2-4 Wochen 2x täglich eingenommen werden (siehe unten). Weitere Information über die Arznei und ihren Einsatz finden Sie im Bereich „Homöopathische Mittel“.

Ruta graveolens

Ähnlich wie Rhus toxicodendron ist Ruta eine oft gebrauchte und, wenn richtig angewandt, hervorragende Arznei für Beschwerden von Sehnen, Sehnenscheiden, Bändern, Faszien und der Knochenhaut (zum Beispiel nach schmerzhafter Verletzung/Prellung des Schienbeins). Es ist nicht immer leicht, die beiden Arzneien voneinander zu unterscheiden.

Für Ruta ist eine Empfindung wie geprellt, wie zerschlagen, verbunden mit einer gewissen Lahmheit des Fußes typisch. Die anfängliche Besserung durch Bewegung sowie der Einfluss von Kälte und durch nass-kaltes Wetter ist bei Ruta weniger stark ausgeprägt. Überaus typisch ist hingegen die Bildung von kleinen Knötchen entlang der PF, die man beim Abtasten der Fußsohle gut spüren kann. Weitere Information über die Arznei und ihren Einsatz finden Sie im Bereich „Homöopathische Mittel“. Auch Ruta sollte zweimal täglich, ggf. ebenso über 2-4 Wochen, eingenommen werden.

Hekla Lava

Mitunter wird zur Behandlung des Fersensporns die homöopathische Arznei Hekla Lava empfohlen. Auch wenn vereinzelt über Erfolge nach der Anwendung dieser Arznei berichtet wird, mangelt es an einer rationalen Grundlage für seine Verwendung gemäß dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie. Diese Grundlage für den Einsatz einer Substanz als homöopathisches Arzneimittel ist die Arzneimittelprüfung. Die in einer Prüfung am Gesunden hervorgerufenen Beschwerden und ihre Umstände (Modalitäten) geben die Hinweise, bei welchen Krankheitsbeschwerden eine Substanz als „ähnliche“, also homöopathische Arznei angezeigt ist.


Eine Arzneimittelprüfung mit Hekla Lava hat keine Beschwerden am Fuß oder der Fußsohle hervorgebracht. Die Empfehlung, Hekla Lava (Vulkangestein) beim Fersensporn zu verwenden, geht auf die Beobachtung zurück, dass nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla in der Umgebung weidende Schafe zum Teil ausgeprägte Auftreibungen ihrer Kieferknochen entwickelten. Dabei handelt es sich um sogenannte Exostosen, ein ungeregeltes, übermäßiges Wachstum von Knochenzellen.


Aus diversen Studien mit Röntgenuntersuchungen ist allerdings bekannt, dass die Beschwerden der Fußsohle nicht von dem Fersensporn ausgehen, sondern der Veränderung (Entzündung) der Plantarfaszie (siehe Beitrag: Schmerz der Fußsohle – Entstehung und Behandlung). Zudem ist der Fersensporn keine Exostose im eigentlichen Sinne, sondern, ausgelöst durch die am Fersenknochen vermehrte Zugbelastung durch die gespannte Plantarfaszie, eine reaktive, sinnvolle Verstärkung des Knochens.


Bei entsprechend disponierten Personen ist nach längerer Anwendung der Arznei die Entwicklung von Prüfungssymptomen mit der Ausbildung von Exostosen, ggf. auch in anderen Körperregionen, nicht auszuschließen.

Einnahme homöopathischer Arzneien


Welche Potenz? 

Wir empfehlen für die akute Behandlung die homöopathische Potenz D12. 


Wie viel? 

Eine einzelne Gabe des homöopathischen Arzneimittels besteht aus 3-5 Globuli, 5-10 Tropfen oder einer Tablette. 


Wie oft? 

Die Häufigkeit der Einnahme richtet sich nach der Aktualität der Beschwerden. Bei sehr akuten Beschwerden kann das passende Arzneimittel zunächst stündlich eingenommen werden, am zweiten Tag alle zwei Stunden, anschließend 2 - 4 x täglich. Bei weniger heftigen Symptomen reicht meist die 2 - 4 x tägliche Einnahme. Ist die Arznei passend gewählt, erwarten wir nach wenigen Tagen, manchmal schon nach Stunden, eine Tendenz zur Besserung! 


Wann einnehmen? 

Zwischen der Einnahme der homöopathischen Arznei und einer Mahlzeit sollte ein Abstand von ca. zehn Minuten liegen, dabei ist es egal, ob die Gabe vor oder nach dem Essen erfolgt.

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Anwendung und Umgang mit homöopathischen Arzneien.
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