Fieber; Foto: ©pictworks/fotolia
Fieber; Foto: ©pictworks/fotolia

Homöopathie bei fieberhaften Erkrankungen

Apothekerin Frau Haverland - Oktober 2008

Homöopathische Arzneien für fieberhafte Infekte bei Kindern werden in der Apotheke häufig nachgefragt. Die homöopathische Beratungsapothekerin Frau Haverland berichtet über die Beratung in der Apotheke.

Montagmorgen in der Apotheke: eine aufgeregte Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm kommt zu mir und sucht Hilfe. Sie erzählt, dass ihr Sohn, 2 Jahre alt, letzte Nacht plötzlich schreiend aufgewacht sei. Sie habe Fieber gemessen und das Thermometer habe eine Temperatur von 39,5°C angezeigt. Ihr Sohn war sehr unruhig und wollte unbedingt auf den Arm, er ließ sich nur schwer wieder beruhigen. Sie berichtet weiter, dass sie ja schon sehr viele Globuli zuhause habe, aber in diesem Moment, mitten in der Nacht, überhaupt nicht fähig gewesen sei, dass richtige Mittel in einem Buch nachzuschlagen. Also habe sie lieber ein Fieberzäpfen gegeben, was dann nach einer Weile auch half. Das Fieber ist heute Morgen auf 38,5°C gesunken, aber ihr Kind ist noch nicht wieder richtig hergestellt und sie möchte homöopathisch weiter betreuen. Zudem möchte sie gerne wissen, welche Mittel denn bei plötzlichem Fieber in der Nacht angezeigt sind.


Warum haben wir überhaupt Fieber?

Unser Organismus ist stets mit Viren oder Bakterien in Kontakt, bei einer Schwächung der eigenen Abwehr können die Erreger diese überwinden und sich in unserem Körper ausbreiten. Es können Fieber erzeugende Stoffe, so genannte Pyrogene freigesetzt werden. Diese Pyrogene können wiederum körpereigene Stoffe aktivieren, die auch bei anderen Entzündungsprozessen im Körper freigesetzt werden. Diese bewirken eine Sollwertverstellung im Hypothalamus, dem Zentrum für die Temperaturregelung im Gehirn. Der Körper friert plötzlich und kann mit Muskelzittern (Schüttelfrost) reagieren, um eine Anpassung der Körpertemperatur an den Sollwert im Gehirn zu erreichen. Wenn die Entzündung wieder abklingt, kann der Organismus mit Schweißausbrüchen reagieren, um sich an die nun wieder herabregulierte Temperatur anzupassen. Fieber ist ein sehr sinnvoller Mechanismus, da eine erhöhte Temperatur die Abwehr- und Heilungsvorgänge nachweislich beschleunigt.


Wann wird Fieber gefährlich?
Hohes Fieber, welches länger als drei bis vier Tage anhält und ohne ersichtlichen Grund auftritt, sowie Fieber bei Säuglingen sollte immer vom Arzt abgeklärt werden. Dies gilt auch für fieberhafte Erkrankungen, die mit Hilfe der Selbstmedikation, sei es homöopathisch oder schulmedizinisch nach kurzer Zeit (24 - 48 Stunden) keinen Erfolg oder sogar eine Verschlimmerung zeigen.



Homöopathische Mittel bei Fieber

Doch zurück zu unserem fiebrigen Kleinkind. Ich bat die Mutter mir noch etwas mehr über die Symptome des Kindes zu erzählen, denn ohne eine genauere Betrachtung des persönlichen Zustandes kann kein homöopathisches Mittel gefunden werden. Sie schilderte mir folgendes Bild: Am Tag zuvor war die Familie auf einem Ausflug und der Kleine war vielleicht etwas zu dünn angezogen, da die Sonne zwar schien. Allerdings war zwischendurch häufig ein kalter Wind zu spüren. Das Fieber entwickelte sich plötzlich und schnell, ihr Kind wachte kurz nach Mitternacht auf, klagte über Durst und hat sich, Wärme suchend, in die Arme der Mutter geschmiegt. Es war ihr unmöglich, ohne ihren Sohn auf dem Arm sein Schlafzimmer zu verlassen um in der Küche etwas zu trinken für ihn zu holen. Er war unruhig, weinte bitterlich und schrie ängstlich und verzweifelt nach ihr.

Diese Schilderung passt sehr gut zum Arzneimittelbild von Aconitum, ein bewährtes Mittel bei plötzlichem Fieber mit Unruhe und Angst, begleitet von Schüttelfrost und großem Durst. Es ist ein häufig angezeigtes Mittel bei fieberhaften Erkrankungen, ausgelöst durch die Einwirkung von trockenem, kaltem Wind. Dies wäre die passende Arznei für die Nacht gewesen, alle 10 -15 min 3 Globuli, bis sich der Kleine wieder beruhigt hat und einschläft. Häufig ist dann am nächsten Tag alles wie weggeblasen und man wundert sich über ein fröhliche, gesunde Kind.


Doch nun in der Apotheke, als ich das Kind vor mir sah, bemerkte ich seinen roten Kopf und dass er auch leicht schwitzt. Allerdings hatte er ganz kalte Hände. Er wirkte zudem sehr ruhig und schlapp. Auf seinen jetzigen Zustand angesprochen bestätigte mir die Mutter, dass er nun etwas „durchhinge“ und am liebsten wieder ins Bett möchte um sich hinzulegen. Trotz der Hitze im Körper sei das Kind lieber zugedeckt. Sein Durstgefühl sei nicht mehr so stark ausgeprägt. Ich empfahl der Mutter Belladonna - Globuli verbunden mit sofortiger Bettruhe für ihren Sohn. Belladonna ist oft das Folgemittel von Aconitum. Sie solle die Globuli heute im stündlichen Abstand geben und am nächsten Tag, falls überhaupt noch nötig, noch 3-5 mal. Eine Besserung sollte innerhalb der nächsten 24 Stunden zu bemerken sein, sonst müsste ärztliche Hilfe gesucht werden.


Ein weiteres Fiebermittel für Kinder, angezeigt bei schnell ansteigendem Fieber und großer Unruhe ist Chamomilla. Diese Arznei ist häufig im Zusammenhang mit einer erschwerten Zahnung zu finden. Ein sehr deutlicher Hinweis für eine Chamomilla-Symptomatik ist die Färbung der Wangen: eine (häufig die betroffene Seite der Zahnung) ist rot und heiß, die andere blass und kalt. Die Kinder sind sehr, sehr unruhig und reizbar, man kann sie schon fast zornig nennen und lassen sich meist nur beruhigen, in dem man sie hochnimmt und hin und her schaukelt.


Die Mutter berichtete übrigens eine Woche später in der Apotheke, dass ihr Sohn bereits am Nachmittag des gleichen Tages, dank Belladonna, wieder zusehends munterer wurde und das Fieber zum Abend hin verschwunden war, so dass die ganze Familie wieder eine ruhige Nacht hatte.


Zusammenfassung akuter Fiebermittel

Aconitum

  • plötzliches Fieber mit Unruhe und Angst 
  • großer Durst 
  • oft Schüttelfrost 
  • Folge von kaltem Wind 
  • Beginn meist um Mitternacht

Belladonna 

  • plötzliches Fieber 
  • heißer Körper, roter Kopf, kalte Hände und Füße 
  • wenig Durst 
  • Wunsch nach Ruhe 
  • Auslöser ist oft Kälte am Kopf 
  • häufig Folgemittel von Aconitum 

Chamomilla 

  • Fieber mit heißem, schweißigem Kopf 
  • eine Wange ist rot und heiß, die andere blass und kalt 
  • unruhige, zornige Kinder, die sich nur durch Umhertragen beruhigen lassen 
  • meist in Zusammenhang mit einer erschwerten Zahnung

Ferrum phosphoricum

  • langsame Entwicklung des Fiebers
  • mäßig hohes Fieber
  • Wechsel zwischen Schwäche und normalem Spiel
  • Insgesamt nur geringes Krankheitsgefühl
  • Gesichtsfarbe abwechselnd gerötet oder blass
  • eher Verlangen nach Kälte

Einnahme homöopathischer Arzneien


Welche Potenz? 

Wir empfehlen für die akute Behandlung die homöopathische Potenz D12. 


Wie viel? 

Eine einzelne Gabe des homöopathischen Arzneimittels besteht aus 3-5 Globuli, 5-10 Tropfen oder einer Tablette. 


Wie oft? 

Die Häufigkeit der Einnahme richtet sich nach der Aktualität der Beschwerden. Bei sehr akuten Beschwerden kann das passende Arzneimittel zunächst stündlich eingenommen werden, am zweiten Tag alle zwei Stunden, anschließend 2 - 4 x täglich. Bei weniger heftigen Symptomen reicht meist die 2 - 4 x tägliche Einnahme. Ist die Arznei passend gewählt, erwarten wir nach wenigen Tagen, manchmal schon nach Stunden, eine Tendenz zur Besserung! 


Wann einnehmen? 

Zwischen der Einnahme der homöopathischen Arznei und einer Mahlzeit sollte ein Abstand von ca. zehn Minuten liegen, dabei ist es egal, ob die Gabe vor oder nach dem Essen erfolgt.

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