Ohrenschmerzen; Foto: © Robert Knechte / foltolia
Homöopathie bei der Mittelohrentzündung (von Kindern)
- März 2026
Einführung
Die Entzündung des Mittelohres (Otitis media) ist insbesondere bei Kindern eine häufige Erkrankung. Sie tritt oft im Rahmen eines Infektes der oberen Atemwege auf. Neben dem mitunter heftigen Ohrenschmerz können Husten, Schnupfen, Fieber und ein reduzierter Allgemeinzustand die Erkrankung begleiten. Treten Hörstörungen und ein Druckgefühl im Ohr auf, soweit von Kindern altersabhängig berichtet werden kann, hat sich wahrscheinlich entzündliche Flüssigkeit im Mittelohr hinter dem Trommelfell angesammelt (Paukenerguss). Zur Sicherung der Diagnose schaut der Arzt mit einem kleinen Gerät (Otoskop), das er von außen ein kleines Stück weit in den Gehörgang einführt, auf das Trommelfell. Ist dieses rot, kann man dahinter einen Erguss erkennen oder ist es vorgewölbt, ist die Diagnose gesichert.
Als Risikofaktoren für mögliche Komplikationen gelten eine beidseitige Entzündung, das Vorliegen von schweren Begleit– oder Grunderkrankungen, vorhandene Paukenröhrchen, sehr hohes Fieber und/oder ein sehr schlechter Allgemeinzustand. Auch wenn Flüssigkeit aus dem Ohr läuft, was nahezu immer mit einem plötzlichen Nachlassen des Schmerzes verbunden ist, sollte ein Arzt hinzugezogen werden - am besten ein homöopathischer.
Sind Antibiotika zur Behandlung notwendig?
Eine antibiotische Behandlung macht grundsätzlich nur Sinn, wenn die Erkrankung durch Bakterien ausgelöst wurde. Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Obwohl die meisten Atemwegserkrankungen durch Viren ausgelöst werden, wird etwa jedes zweite Kind mit einer akuten Mittelohrentzündung in Deutschland antibiotisch behandelt, in den USA und Kanada nahezu jedes Kind. Dabei ist die akute Mittelohrentzündung eine selbstlimitierende Erkrankung - auch ohne Behandlung sind 8 von 10 Kindern spätestens nach einer Woche wieder gesund (1,2).
Ärztliche Leitlinien empfehlen, sofern keine Risikofaktoren vorliegen (s.o.), nicht sofort mit einer antibiotischen Behandlung zu beginnen (1-5). Ihr Nutzen in Hinblick auf Schmerzen, eine Verkürzung des Krankheitsverlaufes oder dem Auftreten von Komplikationen ist allenfalls geringfügig. Der geringe Benefit wird u. U. mit Komplikationen durch eine antibiotische Behandlung erkauft - wie allergische Reaktionen, Unverträglichkeiten, Magen-Darmbeschwerden, insbesondere Durchfälle, Störung der körpereigenen Bakterienflora (Mikrobiom) und die Entwicklung von resistenten Bakterien - ein zunehmendes Problem (1-5).
Gefährliche Verläufe in Verbindung mit bedrohlichen Komplikationen sind im Verlaufe einer Mittelohrentzündung sehr selten. Sie sind in der Regel unabhängig davon, ob Antibiotika zur Behandlung eingesetzt wurden oder nicht. Studien zeigen, um eine Komplikation zu vermeiden müssten mehr als 4.000 Kinder antibiotisch behandelt werden (1-5).
Studien weisen darauf hin, dass es nach einer antibiotischen Behandlung häufiger zu einer erneuten Episode einer akuten Mittelohrentzündung kommt als ohne diese Behandlung (3, 6).
Sonstige konventionelle Behandlung
Die Gabe von Schmerzmitteln (zum Beispiel Paracetamol) ist eine Möglichkeit dem Kind die Situation zu erleichtern.
Die (zusätzliche) Behandlung einer Mittelohrentzündung mit abschwellenden Nasentropfen ist zwar eine häufige Empfehlung, scheint allerdings nach den vorliegenden Studienergebnissen keinen oder allenfalls einen äußerst geringen Effekt auf die Heilung zu haben. Es gibt keinen objektiven Nachweis für den Nutzen von abschwellenden Nasentropfen bei der Mittelohrentzündung - hingegen ist nachgewiesen, dass das Risiko für Nebenwirkungen deutlich ansteigt (bis zum achtfachen) (1, 7).
Als vorbeugende Behandlung (z.B. bei wiederholten Atemwegsinfekten) könnte die Einnahme von milchsäurebildenden Bakterien (Probiotika) wirksam sein. Eine Studie konnte zeigen, dass Kinder, die über sieben Monate Lactobacillus GG einnahmen, etwas seltener an Atemwegsinfekten litten und dementsprechend weniger Antibiotika eingesetzt wurden (8).
Auf eine differenzierte Darstellung der konventionellen Behandlungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung verschiedener Krankheitssituation kann in diesem Beitrag nicht eingegangen werden.
Homöopathie - Wirksamkeit und Kosten
Studiendaten zeigen, dass die homöopathische Behandlung grundsätzlich wirksam ist (Übersicht in (9)). Dass sie sich für das Gesundheitswesen auch rechnet, zeigt sich durch das Ausmaß des Behandlungserfolges in Relationen zu den eingesetzten Kosten sowie durch das Einsparen unter Umständen erheblicher Kosten für die Behandlung von Nebenwirkungen durch konventionelle Maßnahmen. Studien legen den Schluss nahe, dass sowohl die homöopathische Behandlung als auch die anthroposophische Behandlung, die ebenfalls auf potenzierte Arzneimittel wie die Homöopathie zurückgreift, kosteneffizient sind (10-12, Übersicht in (13)).
Die homöopathische Behandlung der Mittelohrentzündung hat sich in der Praxis bewährt, viele Eltern und homöopathische Ärzte vertrauen darauf. Objektive Studiendaten zeigen die Wirksamkeit der Behandlung, eine Tendenz zu weniger Antibiotikaverschreibungen und weniger unerwünschten Nebenwirkungen unter einer homöopathischen Behandlung. Die Studien wurden methodisch sehr unterschiedlich durchgeführt, so dass ihre gemeinsame Auswertung für eine eindeutige, statistisch gesicherte Beurteilung nicht möglich ist (14).
Homöopathische Arzneien bei der Mittelohrentzündung
Aus homöopathischer Sicht sind Kinder, auch bei gleicher Diagnose, je nach individuellen Beschwerden, mit unterschiedlichen Arzneien zu behandeln.
Ferrum phosphoricum (Eisenphosphat)
Bei gering oder nur mäßig ausgeprägten Beschwerden ohne besondere Krankheitszeichen ist meist diese Arznei gut passend. Die Temperatur ist nur wenig erhöht, der Allgemeinzustand wenig beeinträchtigt.
Belladonna (Tollkirsche)
Belladonna sollte die geeignete Arznei sein, wenn die Schmerzen plötzlich beginnen und stark sind. Häufig begleitet schnell ansteigendes Fieber die Entzündung des Ohres. Die Temperatur kann hoch ansteigen, Kinder glühen, das Gesicht ist rot, allerdings können Hände und Füße auffallend kalt sein. Trotz des hohen Fiebers kommt es beim Abdecken zum Frösteln. Trotz der Hitze tut Wärme gut.
Pulsatilla (Kuhschelle)
Kommt es im Rahmen eines Schnupfens mit reichlich gelb-grüner Absonderung aus der Nase zu einer Mittelohrentzündung, denken wir zunächst an Pulsatilla. In warmer Umgebung, z.B. im Bett, ist die Nase verstopft und sowohl die Beschwerden des Ohres als auch der Allgemeinzustand schlechter. Kalte, frische Luft hat einen lindernden Einfluss auf alle Beschwerden. Für diese Arznei spricht auch die weinerliche und trostbedürftige Veränderung der Stimmung betroffener Kinder
Chamomilla (Echte Kamille)
Kippt die Gemütsverfassung in Richtung Unzufriedenheit (die Kinder verlangen nach Diesem und Jenem, wenn sie es bekommen, sind sie noch unzufriedener), Reizbarkeit und Zorn, beginnen die Kinder sich recht aggressiv gegen alles zu wehren, sollte Chamomilla das Mittel der Wahl sein. Tragen und schnelles Schaukeln auf dem Arm kann sie vorübergehend beruhigen. Oft begleitet (grünlicher) Durchfall die Beschwerden, der schnell zu einem Windelekzem führen kann.
Quellennachweis
(1) Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: DEGAM-Leitlinie Nr. 7, Ohrenschmerzen. Aktualisierte Fassung 2014, S2k-Leitlinie, AWMF-Registernr. 053/009
(2) Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC): S2k-Leitlinie Antibiotikatherapie von HNO-Infektionen – Aktualisierung 2025, Version 5.1., AWMF Registernummer: 017/066
(3) Arzneimittelbrief: Antibiotische Therapie der Otitis media bei Kindern erhöht das Rezidivrisiko AMB 2009, 43, 85a
(4) Arzneimittelbrief: Antibiotische Behandlung der Otitis media bei Kindern - wiegt der Nutzen die Nachteile auf? AMB 2011, 45, 19
(5) Venekamp et al: Antibiotics for acute otitis media in children (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 11. Art. No.: CD000219.
(6) Bezáková et al: Recurrence up to 3.5 years after antibiotic treatment of acute otitis media in very young Dutch children: survey of trial participants. BMJ 2009, Jun 30, 338: b2525
(7) Flynn et al: Decongestants and antihistamines for acute otitis media in children (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3. Art. No.: CD001727.
(8) Hattaka et al: Effect of long term consumption of probiotic milk on infections in children attending day care centres: double blind randomised trial. BMJ 2001; 322: 1327-9.
(9) Deutsches Netzwerk für Homöopathie: Wirksamkeit der Homöopathie in Studien.
www.faktencheck-homöopathie.de
(10) Hamre et al: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evid Based Complement Alternat Med 2014, 243801, Epub 2014 Nov 18
(11) Grimaldi-Bensouda et al: Management of upper respiratory tract infections by different medical practices, including homeopathy, and consumption of antibiotics in primary care: the EPI3 cohort study in France 2007-2008. PLoS One, 2014; 9
(12) Kass et al: Effectiveness and cost-effectiveness of treatment with additional enrollment to a homeopathic integrated care contract in Germany. C Health Serv Res. 2020 Sep;15;20(1):872.
(13) Deutsches Netzwerk für Homöopathie: Rechnet sich Homöopathie für das Gesundheitssystem?
www.faktencheck-homöopathie.de
(14) Perry et al: The effectiveness of homeopathy in relieving symptoms and reducing antibiotic use in patients with otitis media: A systematic review and meta-analysis. Heliyon 10 e39174
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Einnahme homöopathischer Arzneien
Welche Potenz?
Wir empfehlen für die akute Behandlung die homöopathische Potenz D12.
Wie viel?
Eine einzelne Gabe des homöopathischen Arzneimittels besteht aus 3-5 Globuli, 5-10 Tropfen oder einer Tablette.
Wie oft?
Die Häufigkeit der Einnahme richtet sich nach der Aktualität der Beschwerden. Bei sehr akuten Beschwerden kann das passende Arzneimittel zunächst stündlich eingenommen werden, am zweiten Tag alle zwei Stunden, anschließend 2 - 4 x täglich. Bei weniger heftigen Symptomen reicht meist die 2 - 4 x tägliche Einnahme. Ist die Arznei passend gewählt, erwarten wir nach wenigen Tagen, manchmal schon nach Stunden, eine Tendenz zur Besserung!
Wann einnehmen?
Zwischen der Einnahme der homöopathischen Arznei und einer Mahlzeit sollte ein Abstand von ca. zehn Minuten liegen, dabei ist es egal, ob die Gabe vor oder nach dem Essen erfolgt.