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Homöopathische Mittel

Arzneipflanzenkulturen in Staffort

Die Beschreibung der „Arzneipflanzenkulturen in Staffort“ wurde uns freundlicherweise von der Deutschen Homöopathie-Union zur Verfügung gestellt.

Ringelblume, Kamille, Johanniskraut, Eisenhut - Arzneipflanzen soweit das Auge reicht - wachsen in den Arzneipflanzenkulturen der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) 20 Autominuten von Karlsruhe entfernt nahe der Gemeinde Staffort. Seit 1976 kultiviert dort das Unternehmen auf einer Freifläche von 12 Hektar sowie in 6 Gewächshäusern zirka 600 verschiedene Pflanzenarten. In den frühen Sommermonaten eine wahre Augenweide und Farbenpracht.
 
Echinacea purpurea

Große Pflanzenvielfalt

In Staffort wachsen 1-jährige, 2-jährige und mehrjährige Pflanzen, wie z. B. Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume. Geht man durch die Reihen der Arzneipflanzenkulturen, entdeckt man viele alte Bekannte: Thuja, Ringelblume, Kamille, Salbei, Lavendel, Johanniskraut, Tollkirsche, Eisenhut und viele mehr. Von den meisten Pflanzen baut die DHU nur Kleinstmengen von 5 - 30 Kilogramm an, von anderen viele 100 Kilogramm - etwa von Calendula, der Ringelblume, für die Calendulasalbe.
 
Beikraut

„Beikräuter“

Brennnessel oder Breitwegerich gelten in Staffort nicht als „Unkräuter“, sondern vielmehr als „Beikräuter“ oder „Pflanzen am falschen Ort“. Beide sind wertvolle Arzneipflanzen - auch wenn sie einmal an einer Stelle wachsen, wo eigentlich andere Arten ihren Platz haben. Bei einigen Pflanzen weist bereits der Namen auf ihr Einsatzgebiet in der Homöopathie hin: Das „Herzgespann“ wird bei Herzbeschwerden eingesetzt, das „Lungenkraut“ hilft bei Bronchitis und das „Schlafmützchen“ ist ein mildes Schlafmittel. Viele Pflanzen in Staffort laden, schon des Namens wegen, zum Träumen ein: Gottesgnadenkraut, Hiobsträne, Ackerwitwenblume, Schwalbenwurz, Tausendgüldenkraut.
 
Gärtnermeister Pedro Kussmmann

Ökologisches System der Selbstregulation

Gärtnermeister Pedro Kussmann und sein 14-köpfiges Team sorgen dafür, dass die für die Arzneimittelherstellung benötigten Pflanzen in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sind. Durch den Verzicht auf jegliche Art von Chemie gedeihen die Arzneipflanzen der DHU in einem ökologischen System der Selbstregulation.

Bereits seit 1976 wird der Anbau nach ökologischem Landbau betrieben, was die Prüfstelle seit 1998 durch das EU Zertifikat für ökologischen Landbau bescheinigt. Pedro Kussmann zeigt auf die bis zu 250 m langen Reihenkulturen, die jetzt im Dezember fast alle abgeerntet sind - außer den Stauden, Sträuchern und Bäumen. Diese Pflanzenarten benötigen oftmals mehrere Jahre bis sie beerntet werden können.

Die Pflanzen in Staffort werden mit großem Pflanzabstand angebaut, damit die Einzelpflanze viel Raum zum Wachsen hat. Für die Jungpflanzenaufzucht wird nur so viel Torf verwendet, wie die jungen Sämlinge zum gesunden Aufwuchs benötigen. „Für die Weiterkultivierung wird selbst produzierter Kompost (aus Pflanzenrückständen) verwendet“, erläutert Gärtnermeister Kussmann. An Stelle von mineralischem Dünger arbeiten er und seine Kollegen im Gewächshaus organischen Flüssigdünger (Zuckerrübenmelasse) und Bodenverbesserer wie Gesteinsmehl ein.

Die Freilandflächen werden stets mit Kompost gedüngt und auf den abgeernteten Flächen kultiviert man Bodenverbesserungspflanzen zur Humusbildung. „Wenn nötig müssen Schädlinge wie Schnecken oder der Kartoffelkäfer - z. B. auf Bilsenkraut - von Hand abgelesen werden, auch wenn dies sehr aufwändig und zeitintensiv ist“, erklärt Pedro Kussmann. Blattläusen rücken die DHU-Mitarbeiter auch schon mal mit einem kräftigen Wasserstrahl zu Leibe.
 
Coturnix chinensis

Natürliche Schädlingsbekämpfung – mit Zwergwachteln

In den sechs Gewächshäusern halten u. a. freilaufende chinesische Zwergwachteln und indische Brillenvögel die Schädlinge in Schach und sorgen dafür, dass das Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen gewahrt bleibt. Die Wachteln ergänzen ihren überwiegend aus Körnern bestehenden Speisezettel gerne um Proteine und picken allerlei Kleingetier vom Boden und den Pflanzen.
 
Zosterops palpebrosus

Natürliche Schädlingsbekämpfung – mit Brillenvögeln

Die Brillenvögel im Tropenhaus verhindern, dass sich all zu viele Wollläuse niederlassen. Im Teich des Schaugewächshauses fühlt sich der Wasserfrosch wohl, Teichfrosch und Rotwangenschildkröte leisten ihm zeitweise Gesellschaft. Nachts, wenn es ruhig und dunkel ist, geht der seltene Feuersalamander auf Wanderschaft.

Die Arzneipflanzenkulturen der DHU bieten durch ihre Artenvielfalt viele ökologische Nischen, in denen sich Nützlinge ansiedeln können. Damit ist der Grundstein für die Gesundheit der Pflanzen gelegt. Nur in ganz seltenen Ausnahmen kommt es zu einem stärkeren Befall der Pflanzen - etwa durch Läuse, Feuerwanzen oder Schnecken. Pilzerkrankungen werden in der Regel durch Zurückschneiden der Pflanzen entfernt. Der nächste Austrieb ist dann meist pilzfrei, so dass einer guten Ernte nichts mehr im Wege steht.
 
Schattenhaus

„Schattenhäuser“

In Staffort gibt es auch so genannte Schattenhäuser, in denen die speziellen Bedingungen der Lebensräume Wald und Waldsaum nachgebildet werden. Darin gedeihen z. B. Primula veris (Schlüsselblume), Arum triphyllum (Zehrwurzel) und Galium odoratum (Waldmeister). Der Schatten wird von verschiedenen ein- und mehrjährigen Kletterpflanzen gespendet, die sich an einem halbrunden Gerüst hochranken (z. B. Stangen- und Feuerbohne, Zaunrübe, Waldrebe, Wilder Wein).
 
Jäten

Bodenbedingungen

Der Sandboden in Staffort ist ein wasserdurchlässiger Sonderkulturboden mit geringem Lehm- und Humusanteil. Der Boden erwärmt sich schnell, trocknet aber auch nach dem Regen schnell wieder. Durch den Sandanteil lassen sich Wurzelteile, die für die Arzneimittelgewinnung benötigt und weiterverarbeitet werden, leicht reinigen.

Pflanzenarten, die z. B. aufgrund der Bodenverhältnisse oder der klimatischen Bedingungen in Staffort Stutensee nicht kultiviert werden können, werden über Fremdanbau, Wildsammlung sowie über den „Drogenhandel“ beschafft. (Drogen nennt man in der Fachsprache getrocknete Pflanzen oder Pflanzenteile.)
 

Aussaat und Anzucht

Die Aussaat beginnt in Staffort ab Februar oder März, wenn die Frühlingssonne die Gewächshäuser bereits ausreichend aufgeheizt hat und für gute Lichtverhältnisse sorgt. Unter optimalen Bedingungen wird im Gewächshaus mit der Aufzucht der benötigten Pflanzen begonnen. Je nach Pflanzenart (z. B. bei zweijährigen Pflanzen) erfolgt die Aussaat erst im Juli oder August.

Zur Anzucht verwendet die DHU vorrangig eigenes Saatgut. Zum Teil werden die Pflanzen auch durch Teilung oder Stecklinge vegetativ vermehrt, da aus Qualitätsgründen der Wildtyp kultiviert werden soll, erklärt Gärtnermeister Pedro Kussmann. Nach der Anzucht der Pflanzen in den Gewächshäusern gewöhnt man die Pflanzen langsam an das Außenklima - durch mehrfaches Umstellen in ein Kalt- oder Abhärtungshaus. Die so gewonnenen robusten Pflänzchen werden bevorzugt an bewölkten Tagen ins Freiland ausgepflanzt, damit sie „stressfrei“ anwachsen können. Durch die Vielzahl an Pflanzenarten entsteht ein automatischer Fruchtwechsel auf der Anbaufläche.
 
Teich

Lebensraum Arzneipflanzenkulturen

In den Teichen des Geländes findet man eine gesunde Lebensgemeinschaft vor, in der sich typische Teichbewohner angesiedelt haben: Frösche, Kröten, Libellen, Gelbrandkäfer und Wasserläufer. Am Gewässer tummeln sich regelmäßig Wildenten, Kibitze, Fischreiher und sogar Störche. Auch eine Ringelnatter schlängelt sich ab und an leise durchs Wasser. Einige Greifvögel lassen sich auf den aufgestellten Sitzstangen nieder und warten geduldig auf Beute. Sie sorgen dafür, dass die Mäusepopulation auf dem Anbaugelände nicht zu groß wird.
Am Teichrand wachsen Mentha aquatica (Wasserminze), Cicuta virosa (Wasserschierling), Arundo donax (Riesenschilf), Lythrum salicaria (Blutweiderich), Caltha palustris (Sumpf­dotterblume) und mitten im Wasser schwimmen die Blätter von Nymphaea alba (Seerose), Nuphar luteum (Teichrose) sowie Eichhornia crassipes (Wasserhyazinthe).
 

Selbstregulation

Die Arzneipflanzenkulturen bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten. Durch die biologische Bewirtschaftung setzt man auf Selbstregulationsmechanismen zwischen Schädlingen und Nützlingen und greift nur in wenigen Fällen in das System ein. So kann man beispielsweise Maulwürfe und Wühlmäuse im Baum- und Strauch­gebiet dulden, da sich die Populationen nie übermäßig ausbreiten. Auch Singvögel helfen, den Schädlingsbefall zu regulieren. Sie werden gezielt durch die aufgehängten Nistkästen angelockt. Andere Tiere finden ganz von selbst ihre Nische in der Anlage der DHU.
 

Ernte der Arzneipflanzen

Mit dem Pflanzenmaterial sollte möglichst wenig Wasser eingetragen werden, damit eine konzentrierte Urtinktur gewonnen werden kann. So müssen nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) die Pflanzen „abgetrocknet“ sein, weshalb meist nicht vor 10 Uhr mit der Ernte begonnen werden kann. Eine weitere Methode, den Wasser­eintrag zu vermindern, ist, die Pflanzen (z. B. bei Calendula) 1-2 Tage nicht mehr zu bewässern. „So steht sie bei der Ernte nicht mehr so voll im Saft“, erläutert Pedro Kussmann. Die Pflanzen werden nach Abtrocknung des Taues geerntet. Da das Pflanzenmaterial nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) noch frisch verarbeitet werden soll, sind die Erntearbeiten gegen 13 Uhr stets abgeschlossen.
 
Eschscholtzia californica

Schonende Behandlung

Feinblättrige Pflanzen wie Eschscholzia oder Abrotanum sind bei der Ernte besonders vorsichtig zu behandeln, denn sie können bei unsachgemäßer Behandlung innerhalb von nur einer Stunde verderben! Die frisch geernteten Pflanzen werden sofort per LKW zur Produktionsstätte der DHU nach Karlsruhe gebracht. Dort nehmen sie Mitarbeiter unverzüglich in Empfang, um sie weiter zu verarbeiten.
 

Pharmakognosie

Alle frischen sowie getrockneten pflanzlichen und tierischen Ausgangsmaterialien, die für die Herstellung der homöopathischen Arzneimittel der DHU verwendet werden, durchlaufen die Pharmakognosie des Hauses, d. h. von sämtlichen Proben wird die Identität des Materials anhand umfangreicher Literatursammlungen, durch optische und senso­rische Untersuchungen sowie durch Färbenachweise festgestellt und dokumentiert. Ebenso wird die Qualität der Lieferung zunächst optisch beurteilt und später im Labor durch chemische Analysen genau geprüft.
 

Verarbeitung der Pflanzen

Insgesamt werden zirka 900 verschiedene Pflanzenarten jährlich in der Urtinkturenherstellung des Karlsruher Unternehmens in unterschiedlichen Chargengrößen verarbeitet. Wie eingangs beschrieben, kann die DHU bis zu 600 Pflanzenarten selbst anbauen. Von den ca. 1400 Arzneimitteln, die man herstellt, sind 60 Prozent pflanzlich.

Von März bis November verarbeiten die DHU-Mitarbeiter hauptsächlich Frischpflanzen. Die Saison beginnt im Frühling mit der Verarbeitung von Wurzeln und erstreckt sich dann bis zum Herbst über die Blätter, die ganzen Pflan­zen, das blühende Kraut und die Samen bis zu den Rinden. Über den Winter werden getrocknete Drogen zu alkoholischen Ansätzen verarbeitet.
 

Urtinkturen - Herstellung

Urtinkturen können generell durch zwei verschiedene Verfahren hergestellt werden. Entweder werden die frischen Pflanzenteile ausgepresst und der gewonnene Presssaft mit Alkohol und Wasser versetzt. Oder die Pflanzen werden mit Alkohol und Wasser angesetzt und dann als Alkohol-Pflanzengemisch ausgepresst. Im Labor wird die Qualität der Urtinkturen überprüft. Erst nach der Freigabe durch die Qualitätskontrolle werden die Tinkturen weiter verarbeitet und es entstehen homöopathische Arzneimittel in verschiedenen Potenzen, Packungsgrößen und Darreichungsformen. Um Globuli herzustellen, wird Saccharose (Rohrzucker) verwandt.

Mehr Informationen zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel finden Sie im Kapitel „Herstellung